Kunst

Helmut Newton Foundation - ´Pigozzi and the Paparazzi´

Vom 20. Juni bis 16. November findet in der Helmut Newton Foundation Berlin wieder eine Ausstellung mit Meisterwerken der Photographie statt.

Mit etwa 350 Schwarz-Weiß- und Farbphotographien, teilweise als signierte vintage prints, wird den Paparazzi, den „bad boys“ des Mediums Photographie erstmals in Deutschland eine so umfangreiche Präsentation gewidmet.

Mit Erich Salomon, Weegee, Ron Galella, Edward Quinn, Daniel Angeli, Tazio Secchiaroli, Jean Pigozzi sowie Helmut Newton werden in dieser Ausstellung Vorläufer wie Hauptvertreter der „klassischen“ Zeit der Paparazzi-Photographie präsentiert. Es wird hier anhand von Schnappschüssen aus sechs Dekaden die Geschichte dieser Art von Prominentenphotographie, die mit exklusiven Berichten über den Jetset immer wieder für Auflagensteigerungen der Yellow Press sorgte, illustriert und medienreflexiv untersucht.

Der möglicherweise erste Paparazzi, der ausgebildete Jurist und photographische Autodidakt Erich Salomon war möglicherweise der erste “Paparazzi”, als er in den 30er Jahren unerkannt in Gerichten photographierte, was zwar verboten war, für ihn bei Entdeckung aber nie schwerwiegende Konsequenzen hatte.

Frederico Fellini war es, der den Begriff “Paparazzo” ersann, als er diesen dem Photographen Tazio Secchiaroli verlieh - einer Person in seinem Film „La Dolce Vita“ (1960). Secchiaroli machte seinem Namen alle Ehre: gemeinsam mit Kollegen lauerte er seit 1960 meist abends oder nachts in der Via Veneto in Rom prominenten Opfern auf.

In Südfrankreich, insbesondere an der Côte d´Azur, waren Edward Quinn und Daniel Angeli etwas später mit Teleobjektiven aktiv. In den USA, vor allem in New York und Los Angeles, genießt Ron Galella als Paparazzo seit den 1960er Jahren Kultstatus und hat viele nachfolgende Photographen indirekt oder als Mentor geprägt.

Die aktuelle Ausstellung konzentriert sich in erster Linie auf Prominentenporträts der 1960er und 1970er Jahre wie z.B. Alain Delon und Prinz Charles, Mick Jagger und Woody Allen, Sophia Loren, Grace Kelly und Brigitte Bardot, denen wir in den Bildern auf Partys, auf der Straße oder am Strand begegnen. Die meisten Stars wurden überrascht. Ihre Bilder sind gewissermaßen „geraubt“.

Ganz anders erscheinen die Stars auf den Photos des ebenfalls titelgebenden Photographen Jean Pigozzi, der aufgrund seines gesellschaftlichen Standes einen intensiven, mitunter intimen Zugang zu den Schönen und Reichen genießt, den viele Paparazzi sich wünschen würden. In seiner Serie „Pigozzi & Co“ zeigt sich der Photograph Kopf an Kopf mit einer prominenten Persönlichkeit. Er inszeniert sich selbst als Freund und Fan, führt den Celebrity-Bildhunger ad absurdum und bedient ihn zugleich, wenn er diese Aufnahmen in Büchern oder – wie hier in der Ausstellung – veröffentlicht.

Helmut Newton hat Salomon und Weegee, die durchaus als Vorläufer der Paparazzi gelten können, geschätzt und die Paparazzi selbst aufgrund ihrer hartnäckigen wie geschäftstüchtigen Art geachtet. Seitdem Newton „La Dolce Vita“, den Film von Federico Fellini mit Anita Ekberg in der Titelrolle, gesehen hatte, interessierte er sich für das Phänomen der Paparazzi, schrieb Helmut Newton in seiner Autobiographie. 1970 reiste er nach Rom, um dort mit „echten“ Paparazzi zusammenzuarbeiten. Für einen Auftrag der Modezeitschrift „Linea Italiana“ engagierte er sie, mit seinen Modellen vor seiner Kamera zu posieren. Die Paparazzi sollten bei Newtons ungewöhnlicher Versuchsanordnung das Modell so behandeln als sei es eine berühmte Person. In den 1980er und 1990er Jahren hat er die Paparazzi wieder ins Visier genommen – und diese ihn, als Helmut Newton auf dem Filmfestival von Cannes mit seinen Modellen an der Croisette arbeitete.

Mit ´Pigozzi and the Paparazzi´ lädt die Helmut Newton Foundation (HNF) dazu ein, alle Facetten des Genres Paparazzi-Photographie Revue passieren zu lassen. Ganz im Sinne Helmut Newtons liefert auch diese neue Ausstellungsproduktion der HNF kontroverse Inhalte und knüpft gleichzeitig an die Erfolge von „Men, War & Peace“ und „Wanted“ an.

Helmut Newton Foundation - ´Pigozzi and the Paparazzi´ - 20. Juni bis 16. November 2008 - Jebensstrasse 2d - 10623 Berlin - http://www.helmutnewton.com

Wednesday, 07. May 2008 by Peter M

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