Herbert Tobias | Blicke und Begehren
Die Berlinische Galerie zeigt in der Ausstellung “Blicke und Begehren” bis zum 1. September 2008 Szenen aus der Arbeit des Modefotografen Herbert Tobias.
Herbert Tobias zählt zu den bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit. In den fünfziger und sechziger Jahren machte er sich in Paris und Berlin mit unkonventionellen Modefotografien einen Namen, berühmt ist er heute aber vor allem für seine stimmungsvollen Stadt-ansichten, subtilen Porträts und erotischen Männerbilder. Tobias’ Foto-grafien sind voller Poesie, Sinnlichkeit und suggestiver Kraft. Mit rund 200 Exponaten beleuchtet die Ausstellung erstmals umfassend sein Lebens-werk.
Das fotografische Werk
Tobias’ Modeaufnahmen und Künstlerportraits wie die von Klaus Kinski, Hildegard Knef oder Nico sind heute weithin bekannt. Dennoch geriet Tobias’ Name in Vergessenheit. Die Ausstellung in der Berlinischen Galerie ist die erste Retrospektive des Fotografen. Ihr Schwerpunkt liegt auf den 50er und 60er Jahren, der produktivsten Schaffensphase von Herbert Tobias, während der er vorwiegend in Paris und Berlin lebte. Das Konzept verzichtet auf eine chronologische oder genreorientierte Ordnung. Die Ausstellung spürt vielmehr den zentralen Stimmungen und Haltungen nach, die den Blick von Herbert Tobias auf die Welt bestimmen. Einerseits sind seine Bilder – egal ob es sich um ein Selbstporträt, eine Straßenszene aus dem kriegszerstörten Berlin oder einen Männerakt handelt – von verhaltenen, poetischen Tönen, von Melancholie, Sehnsucht und Sinnlichkeit geprägt. Auf der anderen Seite erleben wir Herbert Tobias als Choreographen großer Auftritte, als Erzähler ge-heimnisvoller Geschichten oder Arrangeur existentiell-dramatischer Tableaus. Selbst bei an sich konventionellen Modeaufnahmen gelingen ihm einprägsame und eindringliche Bilder.
Darüber hinaus tritt Tobias immer wieder als homosexueller Künstler in Er-scheinung: Seinen erotisch aufgeladenen Blick auf die Männer hat er nie ver-brämt, sondern offen zur Schau gestellt. In einer Zeit, als Homosexualität noch unter Strafe stand, bezog er damit auch politisch Stellung.
Der künstlerische Nachlass von Herbert Tobias zählt zu den wichtigsten Be-ständen der Fotografischen Sammlung der Berlinischen Galerie. Mit rund 200 Exponaten wird das beeindruckende Werk des Künstlers erstmals in seiner ganzen Vielfalt präsentiert: angefangen mit Fotos, die Tobias als 19-jähriger Soldat an der Ostfront machte, über Aufnahmen aus Paris und dem großen Werkkomplex der Berliner Jahre bis hin zu den erotischen Männerbildern, die sich – in unterschiedlicher Intensität – in allen Werkphasen finden.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Steidl-Verlag (ca. 260 Seiten und 240 Abbildungen) mit Beiträgen von Ulrich Domröse, Janos Frecot, Anna-Carola Krausse, Pali Meller Marcovicz, Adelheid Rasche, Ingo Taubhorn und Ulf Erdmann Ziegler.
ORT
Berlinische Galerie
Landesmuseum für Moderne Kunst,
Fotografie und Architektur
Alte Jakobstraße 124-128
10969 Berlin-Kreuzberg
http://www.berlinischegalerie.de
ÖFFNUNGSZEITEN
Täglich außer Dienstag
10.00 bis 18.00 Uhr
VERKEHRSVERBINDUNGEN
U1 / U6 Hallesches Tor
U6 Kochstraße / U8 Moritzplatz
M 29, 248
EINTRITTSPREISE
Tageskarte: 6 Euro
Ermäßigt: 3 Euro
Jeden 1. Montag im Monat: 2 Euro
Freier Eintritt für Kinder und
Jugendliche bis 18 Jahre



