Kunst

Kunsthalle - Guggenheim in Berlin

Vor wenigen Tagen verkündete Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin, für manche überraschend, den Bau einer Kunsthalle am Westhafen.

Das Museum, das von der Architektur her ähnlich spektakulär werden soll wie das Guggenheim Museum in Bilbao, soll dabei von privaten Investoren konzipiert und realisiert werden. Wowereit, der schon vor geraumer Zeit Kunst und Kultur Berlins zur Chefsache erklärte, hat mit seiner Ankündigung der Berliner Kunsthallendebatte eine neue und entscheidende Wendung gegeben. Die Realisierung des Neubaus ist offensichtlich schon beschlossene Sache, und soll nun zügig voranschreiten. Bis 2009 werden Investorenpläne vom Senat begutachtet, 2010 ist Baubeginn.

Seit geraumer Zeit wird in Berlin heftig um diverse Standorte diskutiert an denen weiterer Raum für Kunst geschaffen werden soll. Wie kaum eine andere Stadt zieht Berlin Künstler aus der ganzen Welt an, und die Zahl an temporären Orten an denen Kunst präsentiert wird ist groß. Der aktuellste, auf eine Dauer von 2 Jahren ausgelegte temporäre Standort, wird am 29. Oktober auf dem Gelände des ehemaligen Palastes der Republik eröffnet, und erst kürzlich hatte die Initiative Berliner Kunsthalle den ehemaligen Berliner Blumengroßmarkt mit einer grossen Ausstellung von Gegenwartskunst der Öffentlichkeit präsentiert.

Aus dieser Richtung wird nun auch Kritik an den Plänen des Senates laut. Es sei “ein kulturpolitischer Kardinalfehler”, die Schaffung der Berliner Kunsthalle an das kommerzielle Interesse eines Investors zu koppeln. Vielmehr diene die Kunsthalle nunmehr dem Zweck „einen Ort der Wertsteigerung für private Kunstsammlungen zu etablieren”, sagte die kulturpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnentenhaus und Sprecherin der Initiative Berliner Kunsthalle. Statt ein spannendes und unabhängiges Kunsthaus zu schaffen, dass kreative und ergebnisoffene Impulse setzte, wie es z.B. im Berliner Blumengroßmarkt möglich sei, betreibe der Berliner Senat „ausschließlich Investorenpolitik”.

Für manche indes ist der ehemalige Blumengroßmarkt als Veranstaltungsort für Kunst schon gänzlich vom Tisch. Holger Lippmann, Geschäftsführer des Berliner Liegenschafstfonds äusserte sich hierzu kürzlich ganz konkret: “Die Halle wird abgerissen und ich freue mich auf ein innerstädtisches Wohnquartier mit Townhouses”.

Für die Befürworter des Standortes Blumengroßmarkt ist das Thema dennoch weiterhin aktuell, und man will sich in Zukunft bemühen die bestehenden Potentiale des Standortes öffentlich darzustellen und für das Gesamtareal sowie das umliegende Quartier kreative Ideen und Perspektiven aufzuzeigen.

Durch die Größe der Stadt und die Menge Kunst, die hier tagtäglich produziert wird, gibt es auf jeden Fall Potential für mehrere Kunsthallen. Leider ist aber auf der anderen Seite in Berlin Geld Mangelware, was dann den Betrieb jeweils schwierig macht. Solche Probleme dürfte die Kunsthalle am Humboldthafen dank privater Finanzierung nicht haben. Sofern genügend Geld vorhanden ist und man der Kreativität der Architekten freien Lauf lässt, wie seinerzeit in Bilbao, wird die deutsche Kulturhauptstadt demnächst ein weiteres, in aller Welt bekanntes, Bauwerk beheimaten.

Sunday, 05. October 2008 by Ralf S

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